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Trilogie: Die TUGEND Roms: Buch I: Das Vermächtnis des Philosophen (Marcus Aurelius 175 n. Chr. (DE) 1)

Descripción

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Was wäre, wenn der größte Fehler der Weltgeschichte nie begangen worden wäre?

175 n. Chr. Das Eis der Donau bricht, und mit ihm das Schicksal Roms. In der wirklichen Geschichte starb Kaiser Marcus Aurelius und hinterließ das Imperium seinem Sohn Commodus – jenem grausamen Tyrannen, der den Niedergang Roms einleitete. In dieser Geschichte stirbt Commodus zuerst.

Marcus Aurelius, der letzte große Philosoph, steht vor dem Abgrund: Soll er zulassen, dass Rom in einem Bürgerkrieg verblutet, oder das Unmögliche wagen? Auf dem Sterbebett entwirft er eine verzweifelte Utopie: Das Edikt der Vier Tugenden. Es wird keinen einzelnen Kaiser mehr geben. Es werden vier sein.

  • Das Schwert: Tiberius Pompeianus, der Feldherr, der die Ehre der Macht vorzieht.

  • Der Schatz: Avidius Cassius, der ehrgeizige Aristokrat, der mit Gold regiert.

  • Die Gerechtigkeit: Helvius Pertinax, der Sohn von Sklaven, der den Hunger nie vergisst.

  • Der Geist: Claudius Severus, der Jurist, der glaubt, dass das Gesetz Bestien zähmen kann.

Verbunden durch einen Eid aus Blut und umgeben von tiefem Misstrauen, müssen diese vier Rivalen ein Reich regieren, das sie zu verschlingen versucht. Der Kaiserstuhl ist leer, und die Frage ist nicht, wer sich darauf setzen wird … sondern wer als Erster die anderen verrät, um ihn zu erringen.

„Game of Thrones“ trifft auf „Ich, Claudius“ in dieser brutalen und faszinierenden politischen Uchronie über das Reich, das hätte sein können.

 

KAPITEL I — DAS SCHWARZE PFERD

[Anmerkung des Kaisers]: Man sagt, der Charakter sei das Schicksal. Sie irren sich. Manchmal ist das Schicksal einfach nur eine Eisplatte, die niemand gesehen hat. In eurer Welt verzieh ich dem Glück, dass es meinen Sohn nicht mit sich nahm. In dieser Welt erwies mir das Glück den grausamsten Gefallen von allen.

SZENE 1 — VINDOBONA

Donaulimes. 17. März 175 n. Chr.

Die Welt war weiß, grau und kalt. An der Grenze gab es keine anderen Farben.

Commodus trieb den schwarzen Hengst an und spürte, wie die eisige Luft ihm die Lungen verbrannte. Dieser Schmerz gefiel ihm: Er ließ ihn lebendig fühlen, anders als die einbalsamierten Alten, die sich im Zelt seines Vaters drängten und über Logistik und Getreide murmelten. Er war ein Prinz, und Prinzen sollten nicht nach altem Pergament riechen, sondern nach Pferdeschweiß und Winter.

„Hoheit!“, drang der Ruf eines Wächters, von Entfernung und Wind gedämpft, zu ihm herüber. „Der Boden ist nicht fest!“

Commodus lachte. Er war vierzehn Jahre alt, und die Unsterblichkeit floss ihm dichter durch die Adern als das Blut. Er wandte den Kopf, um abzuschätzen, wie weit er seinen Wachen voraus war. Sie waren langsam. Schwerfällig. Er war Achilles in leichter Rüstung.

„Schneller!“, rief er dem Tier zu und grub die Fersen in seine Flanken.

Zu seiner Rechten erstreckte sich die Donau: eine Schlange aus schwarzem Wasser und Eisplatten, die mit dem Klang brechender Knochen gegeneinanderstießen. Das Ufer war von trügerischem Reif überzogen, jener Mischung aus Schlamm und Schnee, die fest aussieht – bis sie es nicht mehr ist.

Das Pferd – ein prächtiges thrakisches Tier, ein Geschenk des Pompeianus – gehorchte. Es war treu, stark und dumm. Genau das, was Commodus von seinen Untergebenen verlangte.

Die linke Vorderhufe suchte Halt auf etwas, das wie ein flacher, von gefrorenem Moos überzogener Felsen aussah. Es war keiner. Es war eine dünne Eisplatte über einer Grube aus Schlamm.

Das Krachen war trocken, wie ein Schuss.

Commodus’ Welt drehte sich. Der graue Himmel war plötzlich unten, die weiße Erde oben. Es blieb keine Zeit für Angst, nicht einmal für Überraschung. Die Physik achtet keine Abstammung. Das Pferd stürzte mit seinem ganzen Gewicht nach vorn, und die Trägheit schleuderte den Jungen wie einen Schleuderstein davon.

Commodus flog. Für einen Augenblick war er wirklich frei.

Sein Kopf schlug gegen den Granitvorsprung, der die Flussbiegung markierte. Schmerz gab es keinen: nur ein plötzliches weißes Licht, dann einen hohen, endlosen Ton, ein Pfeifen, das den Wind, die Schreie der Wachen und das qualvolle Wiehern des Pferdes verschlang, das mit gebrochenem Bein im Schlamm zuckte.

Commodus blieb auf dem Rücken liegen. Eine Schneeflocke landete auf seiner Wimper, doch er blinzelte nicht.

Unter seinem Nacken begann sich auf dem unberührten Schnee ein dunkler Fleck auszubreiten, langsam und warm, und zeichnete die Karte eines Landes, das nicht existierte.

Die Wachen kamen zehn Sekunden zu spät. Zehn Sekunden, die die Geschichte der nächsten tausend Jahre veränderten.

Der Zenturio fiel keuchend auf die Knie und tastete den Hals des Jungen. Dann sah er die anderen an. Ihre Gesichter waren bleich, nicht vor Kälte, sondern vor dem absoluten Entsetzen, dem mächtigsten Mann der Welt sagen zu müssen, dass sein Erbe sich selbst zu Tode gestürzt hatte.

Der schwarze Hengst, im Todeskampf, stieß einen letzten dampfenden Atemzug aus.